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Liselotte Zottelwind - mein Raum für Utopie

Hamburg-Berlin 20.07.18

 

 

Es geht los nach Berlin. Aus dem etwas bewölkten Hamburg rase ich in ICE-Geschwindigkeit gemütlich in unsere Hauptstadt, um Liselottes Illustratorin Nina Sievers auch mal in echt kennenzulernen. Wir haben die letzten Wochen wunderbar per Skype, E-Mail und Whatsapp arbeiten können, doch nun wird es Zeit, mal ein intensives Workshop-Wochenende zu machen.

 

Die Crowdfunding-Kampagne rückt näher und somit stehen auch viele Vorbereitungen an. Logos, Titelbild, Schriftarten, das Skript zum Videodreh nächste Woche sowie der erste Buchentwurf müssen bis September stehen.

 

 

Letztendlich wird nun alles auf den Punkt gebracht, in Form und Farbe gegossen, was ich in den letzten Jahren erlebt und erfahren habe. Das mag jetzt von außen sehr groß klingen, aber an sich fließen in dieses Kinderbuch 10 Jahre Reisen, Strapazen, Selbstexperimente, Schweiß, Frustrationen, Glücksmomente, und die ein oder andere Magenverstimmung ein 😉 Das stimmt mich nachdenklich und natürlich auch ein wenig nostalgisch.

 

Diese romantische Nostalgie wird außerdem noch unterstützt, da ich nach über sechs Jahren meinen chilenischen Freund Alex hier in Berlin wiedersehen werde. Der Alex, mit dem ich durch ganz Chile gereist bin. Vieles von dem, was wir zusammen erlebt haben, verarbeite ich in dem Buch Liselotte Zottelwind bekommt Besuch aus Chile.  Wir lebten damals während meines Auslandssemesters in Chile/Valdivia in demselben Studentenwohnheim und verstanden uns auf Anhieb. Welch ein Glück, dass er genau an diesem Wochenende mit seiner Familie seinen Bruder in Deutschland besucht. Das sollte wohl so sein!! 😊

 

Er ist zwar nicht wie Nahuel Pangi, der Liselotte im Buch besucht, ein Mapuche-Indianer, aber dennoch ein richtiger Naturbursche, der mir die Flora und Fauna Chiles nähergebracht hat. Wir sind auf langen Touren durch den Regenwald an der Pazifikküste nahe Valdivias gewandert. Wir haben zusammen einen aktiven!!! Vulkan bestiegen und sind durch die Atacama-Wüste gezogen. Wir haben dort Oasen entdeckt, verrückte religiöse Feste besucht und an verlassenen Stränden wild gezeltet, um Geld zu sparen. Er zeigte mir die besten Techniken die wendigen Kolibris, auch Picaflores genannt, mit der Kamera einzufangen und wie man am schnellsten per Anhalter weiterkommt.

 

 

 

 Liselottes Lebensstil wiederum ist inspiriert durch meine Kindheit und die späteren Erfahrungen aus den letzten Jahren in Nordfriesland. Nach vielen Jahren im Ausland und vor allem in großen Städten (ich habe mein Studium in Madrid gemacht), brauchte ich wieder ein wenig Ruhe und Geborgenheit in meiner Heimat Nordfriesland, an der Nordseeküste, gleich hinterm Deich. So zog ich dann im Jahr 2014 mit meinem jetzigen Mann und zwei Freunden in die totale Einöde, für ein Digital- und Badnews-Detox-Programm und ein bisschen Selbstversorgung. 

 

 

 

 

Das brauchte ich dringend, diesen Kontrast und den Abstand zur großen, echten sowie harten Welt. Von 2010-2014 habe ich in Madrid die Wirtschaftskrise extrem gespürt und miterlebt, wie sich in kürzester Zeit die Lebensbedingungen verschlechterten und auch die Grundrechte der Spanier durch Gesetzesänderungen immer mehr eingeschränkt wurden. Konfrontiert mit der alltäglichen Misere und Ungerechtigkeiten, fing ich an mich politisch zu engagieren. Ich begleitete meine Kommilitonen und Freunde auf die Demonstrationen der 15-M Bewegung und fing an nach Lösungen zu suchen.

 

Diese Ohnmacht gegenüber höheren Institutionen, aber auch gegenüber wirtschaftlichen Krisen und Veränderungen haben mich dazu gebracht, nach mehr Selbstbestimmung und Souveränität zu suchen. Das verstärkte sich, als ich eines Tages leere Regale in den Supermärkten vorfand. Die Lastwagenfahrer streikten und in einer 5 Millionen-Stadt (inkl. Umland) und in mir machte sich Unbehagen breit. Wie abhängig ich von allen möglichen Faktoren war, um mein Grundbedürfnis, nämlich etwas zwischen meine Kauleisten zu bekommen, befriedigen zu können.   

 

 

 

Also begann ich im Internet zu forschen, was man so alles bräuchte, um sich selbst zu ernähren. Und siehe da, es benötigt nur ein bisschen fruchtbare Erde, Wasser und ein Saatkorn. Schien mir für den Anfang doch ganz einfach. Doch viele dieser Saatkörner ist patentiert und ich muss es kaufen, immer wieder? Na dann nehme ich doch einfach ein Saatkorn aus der Tomate, die ich eben im Supermarkt erstanden habe. Aber auch das soll nicht immer erfolgsversprechend sein, denn es handelt sich immer öfter um Hybridpflanzen. 

 

Auch fruchtbaren Boden, der die Fläche meiner Balkonkübel übersteigen sollte, ist ja gar nicht einfach zu bekommen. Nebenan im Stadtpark zu gärtnern, sehe zwar schön aus, aber da sind ja noch meine Mitbürger mit ihren Hunden und die Polizisten, die diesem Ungehorsam und der Verschandelung der Grünflächen Einhalt gebieten müssen.

Naja, Wasser ist ja immerhin frei zugänglich. Oh, aha, nee doch nicht. Seit Jahren werden verschiedenste politische Anstalten gemacht das Wasser zu privatisieren. Hier in Europa können wir uns das leisten, doch in den Entwicklungsländern ist das wirklich eine sehr miese Angelegenheit, den Menschen nur Zugang zu Wasser zu gewähren, indem sie zahlen. Und woher sollen sie das Geld nehmen?  Und welches Recht nehmen sich Unternehmen alias Nestlé und Co. heraus, den Anwohnern ihre Quelle leerzusaugen. Einen sehr schönen Spielfilm dazu wurde übrigens in Bolivien gedreht: Und dann der Regen.

 

Innerhalb weniger Tage verwandelte sich mein optimistisches Freiheitsgefühl einer jungen Studentin in unerträgliche Beklemmung. Ich spielte ein meinen Gedanken durch, was wohl passieren würde, wenn die Preise für Saatgut steigen, für Grund- und Boden oder Wasser?

Ich bin gar nicht frei! Die Konzerne, Investoren und Co. haben mich sowas von in die Zwickmühle getrieben.

 

Ich geriet in einen düsteren Strudel, der in mir absolute Ohnmacht und Wut produzierte und mich für Monate, wenn nicht sogar Jahre schlichtweg lähmte. Ich glaube im Fachjargon nennen sie das eine Depression. Da ich aber nun keine Depression haben will und das weder Welt oder mir sonderlich weiterhilft, wenn ich in der Ecke Trübsal blase, versuchte ich in Aktion zu treten.

 

 

Ich las mich in die Transitionbewegung ein und holte mir im Oya-Magazin und bei Rob Hopkins (Einfach.Jetzt.Machen!) eine Portion optimistischen Tatendrang ab. Ich wechselte den Stromanbieter, stieg auf ein grünes E-Mail-Postfach um, gründete eine Gemüsegarten-Koop in Nordfriesland, den Go!müse e.V. und bin nun dabei ein schnuckeliges Kinderbuch zu schreiben, um auch den Kleinen unsere wunderbare, schützenswerte Welt zu zeigen und mit dem weltoffenen, umweltbewussten Wesen der Liselotte eine Inspiration an die Hand zu geben. Dieses Buch möchte ich nachhaltig und sinnstiftend produzieren lassen und sicher gehen, dass das eingenommene Geld in gute Richtungen weiterfließt . Deshalb gründe ich zeitlich den Weltfreund Verlag, mehr dazu findet ihr hier.  

 

 

Das Kinderbuch ist ein unendlich prägender und wichtiger Bestandteil in der Erziehung unserer Kinder. Es hilft ihnen Werte zu verstehen und anzunehmen, sowie sich ein Weltbild aufzubauen. Hier wünsche ich mir, dass meine Utopie einer „besseren Welt“, die sich in den Abenteuern und Geschichten Liselottes wiederfindet, in den Kindern den Wunsch weckt ähnlich zu leben und eine Welt zu schaffen, in der wir keine Angst vor dem Fremden haben, Neugierde und Toleranz gegenüber anderen entwickeln und unseren schönen Planeten erhalten möchten.  

 

Zurück im Hier und Jetzt, in Berlin. Die Geschichte des ersten Buchs ist geschrieben und Nina wandelt den Text in wundervolle Bilder um. Das vorläufige Buchcover steht und ich glaube, nicht nur Kindern sondern auch den Eltern wird es Spaß machen in diesem Buch zu blättern.

 

 

Ich freue mich jeden Tag über das Projekt und die tollen Menschen, die daran mitwirken. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und werde hier natürlich weiter über das Buch und seine Hintergründe berichten.

 

 

Bis dahin!

  

Eure Melina  

 

Wie es in Berlin weitergeht, erfahrt ihr hier


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