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Nicht verlernt, unterwegs zu sein

Berlin-Hamburg 23.07.18

 

 

So, nun sitze ich wieder im Zug zurück nach Hamburg. Es war ein ereignisreiches Wochenende mit viel Arbeit, Begegnungen, Unterhaltungen und Emotionen. Ich bin völlig geplättet und ich genieße es. Dieses positive Überladen-Sein zusammen mit einer inneren vibrierenden Euphorie. Diese Kombination, die mir so intensiv nur auf Reisen geschieht, drängt mich immer zum Schreiben. So habe ich stets mein kleines Büchlein und den Stift dabei, damit ich mal auf einer Parkbank oder im Café innehalten kann. Das hilft mir, den Kopf zu befreien von den schwirrenden Gefühlen und Gedanken und die Erlebnisse zu strukturieren und einordnen zu können und letztendlich auch, um euch hier im Blog zu informieren und teilhaben zu lassen. 

 

 

Das kreative Arbeiten am Buch und an der Crowdfunding-Kampagne mit Nina hat unheimlichen Spaß gemacht. Wir haben stundenlang, bis in die Nacht hinein an Typographien gebastelt, Farben gewählt, Texte geschrieben und natürlich wurde auch weiter gezeichnet, Beispielseiten bearbeitet und sogar das Logo für den Weltfreund Verlag entworfen. Das bescherte uns zwar ein paar hässliche Augenringe doch hat es das Projekt wieder einen großen Schritt vorangebracht. 

Berlin – a Melting Pot

Nach ein paar Jahren Großstadt-Abstinenz muss ich sagen, dass Berlin mich ganz schön beeindruckt hat (und meine Füße!!!). Ein Schmelztiegel unterschiedlichster Typen von Menschen, verschiedenster Herkunft, Religionen, Aussehen und Stilen. Es ist bunt, dreckig, unübersichtlich und groß, sehr groß! Dennoch, als ich durch die Straßen Neuköllns und Berlin Mitte tigerte, gab mir diese Unordnung, diese Unterschiede, das Gefühl von Freiheit. Es gibt genug Raum, zu sein, wer man ist und jeder dieser Menschen trägt, in ihrer Einzigartigkeit, zu Berlins Charakter bei.

Neben dem Freiheitsgefühl und der visuellen (Über)ladung, die mir Berlin schenkte, ereilte mich ein emotionaler Flashback nach Chile. Wie angekündigt, traf ich nach sechs Jahren meinen Studienkollegen Alex aus Chile wieder. Auf zwei Tage verteilt, hatten wir insgesamt 12,5 Stunden, um uns an unsere gemeinsame Zeit als Studenten zu erinnern, die letzten sechs Jahre bis heute im Schnelldurchlauf für den jeweils anderen Revue passieren lassen und noch in die Zukunft zu blicken, über Träume und Projekte zu sprechen. Und das alles auf Spanisch, Chucha! Ich meine Chilenisch 😉.

Irgendwie verständlich, dass ich Samstagnacht um 2:00 völlig erschlagen ins Bett plumpste. Alles drehte sich und ich konnte nicht einschlafen. Ich hatte quasi zu viel getrunken und alles durcheinander 😉 Ein chilenischer Arbeit-Touri-Nostalgie-Cocktail, sehr schön, aber kater-verdächtig.

 

Zumindest freute es Alex, dass er in Form von Nahuel Pangi in einem deutschen Kinderbuch erscheinen darf und erzählte mir, dass er auch mit Kindern in einer chilenischen Dorfschule arbeitet. Er gärtnert mit ihnen und erarbeitet Projekte, um zum Beispiel Wanderwege durch den Wald oder Gewächshäuser zu bauen.

Zusammen mit Freunden hat er sich ein Stück Land in den Bergen, etwa eine halbe Stunde entfernt von Valdivia, gekauft und lebt dort in einem Tinyhouse mitten im Wald und baut einen Permakulturgarten auf. Einfach großartig!

 

Urban Gardening 

 

 

 

So passte es auch wunderbar, als wir an einer Straßenecke den Nachbarschaftsgarten auf dem Vattenfall Gelände fanden. Auch wenn meinen Strom aus ideologischen Gründen nicht bei Vattenfall beziehe, fand ich es schön zu sehen, dass der allgemein aufkeimende Wunsch nach mehr Naturverbundenheit und gemeinsamen Gärtnern, auch solch ein großes Unternehmen dazu bringt, seine Flächen und ein Budget, auch wenn es wahrscheinlich im Verhältnis zu den Einnahmen verhältnismäßig klein ist, dafür abzuzwacken. Es ändert nichts an Atom- und Kohlestrom, aber es ändert etwas für die Anwohner und hat uns eine schöne Stunde in diesem wunderbar gepflegten Gemüsegarten beschert. Also, auf jeden Fall schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Wir unterhielten uns mit dem in Teilzeit angestellten Gärtner und erfuhren, dass es durchaus öfter mal vorkommt, dass Kinder vorbeikommen, die gerne etwas pflanzen möchten. Klar, Vattenfall wirbt ja auch am Eingangstor mit dem Slogan „Pflanz Was!“.

 

Wenn er ihnen dann die Saat gibt, schauen sie verdutzt drein und fragen, was sie denn jetzt mit diesen Kügelchen anstellen sollten. Für diese Kiddis wäre Liselotte Zottelwinds Garten und ihr bunt gefülltes Tomaten-Gewächshaus auf jeden Fall auch einen Besuch wert 😉

Wir spazierten weiter nach Friedrichshain und landeten am Holzmarkt, ein Genossenschaftsprojekt, das eine einzigartige Oase am Spreeufer geschaffen hat. Wir fühlten uns sofort wohl, distanziert von der Großstadt, in einer kleinen Utopie-Blase zwischen Sonnenblumen und Bierschänke. Wir sprachen auf Spanisch, neben uns eine Gruppe junger Franzosen. Wir hörten Italienisch, Arabisch, und noch andere Sprachen, die wir nicht zuordnen konnten. Ein bunter Mix, alle friedlich und gut gelaunt und offen für neue Lebenskonzepte und Ansätze.

Nun bin ich wieder auf der Heimreise nach Hamburg. Dort warten sie schon, meine Männers. Bald kann ich wieder meinen Sohn in die Arme schließen, eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen und hoffentlich meine schweren Beine ausruhen 😉.

 

Was bleibt, sind die Erinnerungen, ein paar Fotos und natürlich die Inspirationen, die sich bei Gesprächen entwickeln.

Nicht nur persönlich war das mal wieder eine schöne Erfahrung unterwegs zu sein, sondern natürlich war es für das Buchprojekt super. Ganz nebenbei habe ich jemanden für das Korrektorat und Lektorat gefunden und ich war heute Nachmittag auch noch bei startnext zu Besuch, die Crowdfunding-Plattform, auf der wir Liselotte Zottelwind bekommt Besuch aus Chile vorstellen werden.

 

In dieser Woche stehen dann noch viele organisatorische Dinge an, wie Lesungstermine ausmachen, das Skript für den Videodreh schreiben, Homepage optimieren und eine vorläufige Buchversion für unsere Testkinder ausdrucken. Unsere Testkinder sind zwei Jungs und zwei Mädels, die schon einmal vorab das Buch lesen dürfen, um euch dann im Crowdfunding-Video mitzuteilen, was ihnen an der Geschichte am besten gefällt. Wir sind ganz gespannt!

 

Ihr hört dann wieder von mir nach dem Videodreh in Nordfriesland.

 

Eure Melina