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#Hambibleibt #Wir sind mehr und #metoo - ein Kinderbuch trifft den Nerv der Zeit

Das hätte ich vor zwei Jahren nicht gedacht. Ich habe aus einer Laune heraus das Kinderbuch „Liselotte Zottelwind“ geschrieben, um meinem Sohn meine Weltanschauung zu zeigen. Zwei Jahre später muss ich erkennen, dass meine Grundsätze und Werte, die sich im Buch wiederfinden, längst nicht allgemeiner Konsens sind. Ich meine damit Nachhaltigkeit, Weltoffenheit und Toleranz sowie Frauenrechte. Das macht mich bestürzt, manchmal richtig wütend, wenn jemand sagt, das interessiere ihn nicht. Es sollte uns dringend interessieren, denn schließlich möchten wir unsere Kinder doch noch in einer lebenswerten Welt aufwachsen lassen, oder?

 

#Hambibleibt und Nachhaltigkeit

Hambi bleibt! Das ist klar und ich freue mich, dass diese beispielhafte Situation nun auch emotional und aufbrausend in den Medien diskutiert wird. Es hilft sicher, weiter das Bewusstsein zu schärfen und zu fühlen, in welcher Welt wir leben bzw. unsere Kinder aufwachsen lassen wollen. In dem braunen, traurigen, ausgebaggerten Loch oder in dem lauschigen, gut duftenden Urwald? Die Antwort lautet bei den meisten wohl: der Urwald. 

Doch was können wir tun? Klar, wir gehen, wenn es die Zeit erlaubt, am 06.10.18 zur Demonstration in den Hambacher Forst, aber langfristig gesehen, müssen wir verstehen, dass unser Konsumverhalten in der Masse auch diese gigantischen Unternehmen wie RWE, Vattenfall und Co. beeinflussen können.

 

Meine erste Ausbildung habe ich in der Werbung gemacht. Es ist unglaublich, wie die Unternehmen täglich um die Konsumenten, also um dich und mich buhlen, sie bearbeiten und manipulieren. Denn sie brauchen uns. Immense Marketingbudgets werden ausgegeben, um uns zu lenken. Allerdings auch, um uns zu erforschen, Daten zu sammeln und Produkte zu entwickeln, die wir uns wünschen.

 

Und da müssen wir hin. Wir sollten uns weniger lenken lassen, sondern Statements und Werte an die Unternehmen herantragen, damit sie sich anpassen und Produkte zu entwickeln, die Gutes bewirken oder zumindest weniger schädlich für Mensch und Umwelt sind.

Wenn wir einen Blick auf die Bio-Branche werfen, sehen wir die positive Entwicklung. Der Verbraucher will immer weniger Chemie, glücklichere Tiere, weniger Plastik. Auch der Ökostrom-Markt boomt und glücklicherweise können wir schnell und einfach den Anbieter wechseln.

 

Mit der Gründung des Weltfreund Verlag, in dem Liselotte Zottelwind erscheinen wird, möchte ich klar ein Statement in Richtung Nachhaltigkeit in der Buchbranche setzen. Mein Wunsch mit diesem Projekt ist es, einen Teil dazu beizutragen, dass solche Kämpfe, wie im Hambacher Forst nicht mehr stattfinden müssen. Ich möchte verständlich machen, dass es möglich ist, gezielt Geld von Unternehmen, die uns nicht gefallen, abzuziehen und unser Geld Unternehmen zu geben, die für das Gute einstehen.

 

Da ich nun ein Kinderbuch geschrieben habe und im Eigenverlag drucken lasse, (wenn die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich ist), kann ich zumindest in diesem Gebiet Geldströme umlenken und mir Partner suchen, die für dasselbe einstehen. Das bedeutet konkret, dass ich das Geschäftskonto des Weltfreund Verlags bei der GLS Bank habe. Diese Bank, sowie andere alternative Banken wie Triodos, Ethik-Bank usw. würden weder RWE einen Kredit für Kohlekraftwerke geben, noch das Geld in Fonds anlegen, die mit dem Waffenhandel, Kinderarbeit etc. spekulieren. Solltet ihr, einfach gesagt, gegen Krieg und das Leid sein, das Millionen Flüchtlinge aus ihrem Heimatland vertreibt, dann wechselt doch einfach die Bank. Das Hamburger Unternehmen Tomorrow ist gerade dabei eine moderne, zugängliche Banking-App rauszubringen. Vielleicht ist das ein weiterer Schritt weg vom Klischee der Ökobanken, hin zum modernen Weltenretter und es fällt uns leichter umzusteigen. Ich bin gespannt.

 

Gedruckt wird das Buch bei der Umweltdruckerei Hannover. Diese benutzt recyceltes Papier, das bedeutet, wir brauchen für den Lesespaß keinen Wald abholzen und RWE hat auch nichts davon, denn die Umweltdruckerei druckt mit Ökostrom und auch das Konto ist bei einer nachhaltigen Bank. Ja das hat seinen Preis, aber ein paar Cent mehr nehme ich eher in Kauf als fehlenden Sauerstoff 😉.

 

Es gibt viele gute Menschen, Initiativen und Geschäftsmodelle, die eine Alternative bieten. Wir können sie mit jedem Einkauf bzw. Wechsel stärken.

Auch die Politik wird reagieren, wenn wir nur laut genug schreien. Sie befürchten nicht den Gewinnverlust, sondern den Verlust an Stimmen bei der nächsten Wahl.

 

#wirsindmehr

Damals, als ich das Buch geschrieben habe, war die Debatte um Rassismus noch recht klein. Eigentlich wollte ich mit so etwas Unschuldigem wie einem Kinderbuch nicht in diese schrecklich emotional aufgeheizte Debatte eintreten. Die Standpunkte beider Seiten sind verhärtet, keiner hört dem anderen zu und oft werden die Diskussionen irrational. Das finde ich sehr anstrengend. Parolen wie „FuckNazis“ oder „Ausländer raus“ erzeugen beide keinen Dialog. So komplexe Themen kann man nicht in zwei Wörtern auf sein T-Shirt drucken, um eine Lösung zu finden.

 

Aber nichts desto trotz, nach Chemnitz und dem Erstarken der AfD sitze ich oft mit Gänsehaut und Atemnot am Frühstückstisch und denke an meinen Geschichtskurs, die 1930er Jahre und den Aufstieg der NSDAP. Ist das möglich, dass wir wieder so dumm sind? Meine Großeltern leben noch und haben mir selbst von dieser Zeit erzählt. Es gruselt mich, wenn ich diese schleichende Bewegung beobachte.

 

Deshalb brauchen wir jetzt umso mehr, Kinderbücher, die Lust auf unsere Welt machen und die Angst nehmen, auf neue Menschen zu treffen, die „anders“ sind.

Wir müssen von „unten“ rufen, unsere Werte klar zeigen und auch unsere Kinder mitnehmen. Mit Liselotte Zottelwind möchte ich Ihnen eine Vision, ein Lebenskonzept an die Hand geben, auf das die Kinder sich im Laufe ihres Lebens beziehen können. Eine Vision, in der eine Frau eigenständig und stark sein kann, die Menschen unterschiedlichster Herkunft in ihrem Haus willkommen heißt.

 

Im ersten Buch bekommt sie Besuch von Nahuel Pangi aus Chile, der sie und die Nachbarskinder mitnimmt auf eine Reise durch sein Land bis in die Mythologie der Mapuche-Indianer. Wenn es möglich ist, würde ich gerne eine Buchreihe daraus entstehen lassen, in der Liselotte immer wieder Besuch bekommt aus einem anderen Land. So können die Kinder, aus der Geborgenheit Liselottes Haus in die Welt hinausschauen und Menschen kennenlernen, die anders aussehen, anders leben und sprechen.

 

 

 

#metoo

Wir haben das Jahr 2018! 2018!! Und trotzdem ist das Frauenbild, das ich damals als Kind hatte, noch nicht in der Gesellschaft angekommen. Als Kind habe ich mich als Erwachsene immer selbstständig und alleinstehend gesehen. Auf einem schönen Hof in Nordfriesland mit Garten, Pferd und anderen Tieren. Dass es spätestens ab 30 Jahren gern gesehen ist, wenn Frau einen Mann hat und Kinder plant, das war mir damals, ‚Gott sei Dank‘, unbekannt. Auch beim Schreiben der Geschichte, habe ich mich wenig darum geschert, ob und wie Liselotte mit jemandem in Beziehung steht.

 

Als ich den ersten Menschen von Liselotte erzählte, dachten viele an ein junges Mädchen. Nachdem geklärt war, dass sie eine Frau war, wurde gefragt, ob sie Kinder hätte oder eine Oma sei. Später fragte jemand noch, ob sie etwas Besonderes kann, sprich Zaubern oder Hexen. Nein, nein und ähhm, nein. Als dann noch jemand, den Einwand hatte, dass die Kinder die Abenteuer dieser Frau nicht interessieren würden, zweifelte ich nicht nur an dem Buch sondern auch an der Gesellschaft. Aus Zweifel wurde dann zum Glück Trotz und Überzeugung, was mich bis hierhin gebracht hat. Warum hören Kinder Peter Lustig zu? Fragt dort jemand nach seiner Frau oder seinen Kindern? Warum geben Verlage keine Kinderbücher mit Frauen heraus? Ist es nicht Zeit, den Kindern zu vermitteln, dass eine alleinstehende Frau über dreißig nicht armselig und schrullig ist, weil sie keinen abbekommt? Muss es nur die femme fatale oder femme fragile geben? Es gibt immer mehr Frauen und natürlich auch Männer, die sich nicht für Kinder entscheiden und das ist vollkommen in Ordnung und legitim. Auch in Kinderbüchern ist es Zeit, Frauen zu stärken und sie von diesem Rollendenken zu befreien. So kann ich einen Beitrag leisten, dass die Mädchen und Jungs sich bestärkt fühlen, ihre Entscheidungen zu treffen, wie sie leben möchten. Selbstbestimmt und respektvoll gegenüber anderen.

 

Das Buch „Liselotte Zottelwind bekommt Besuch aus Chile“ ist noch nicht gedruckt. Solltet auch Ihr euch mit diesen Werten identifizieren können, unterstützt uns bei der Gründung des Weltfreund Verlags auf www.startnext.com/Liselotte-Zottelwind

 

 Wenn euch die Botschaft wichtig ist, teilt diesen Artikel in allen möglichen Medien.

 

Ich wünsche ein schönes, weltverbesserndes Wochenende. 

 

Melina