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Die Krux mit Social Media

Viele von euch verfolgen das Liselotte-Projekt über Instagram und Facebook und das freut mich natürlich. Ich möchte euch heute einladen, einmal hinter die Kulissen zu schauen, denn in den letzten Wochen bei Gesprächen mit Freund*innen und Leser*innen fiel mir auf, dass zwischen dem, was auf Instagram und Facebook glänzt und wie mein Leben dahinter aussieht, eine große Kluft liegt und das ist doch nicht gesund!

 Um diesem Theater entgegenzuwirken, habe ich zum Beispiel letzte Woche angefangen ungeschminkt Stories zu posten. Und ja, ich sah müde aus, aber das bin ich tatsächlich auch oft, denn ich habe einen kleinen Sohn und manchmal viel auf dem Zettel. Da musste ich mir natürlich gleich ein paar sorgenvolle Kommentare anhören…😉

 

Der Druck in der Selbstständigkeit ist konstant groß. Alle Mitwirkenden müssen bezahlt werden und ich muss natürlich auch neben Liselotte Jobs machen, um zu überleben. An den Wochenenden fahre ich auf Lesungen und Messen, Kongresse und Märkte. Das beansprucht Nerven, den Körper (da ich meistens 10 Bücher im Gepäck habe) und natürlich auch meine lieben Familienmitglieder. Der Sohn weint, wenn Mama schon wieder unterwegs ist und der Mann würde sich über ein bisschen mehr Pärchenzeit sicher auch freuen. Der Rest der Familie hört schon fast gar nichts mehr von mir und wenn es nicht hier und da Bilder im Social Media von mir gäbe, dann würden sie sich sicher fragen, ob ich noch unter den Lebenden weilte.

 

Hinzu kommt die mentale Belastung. Ich jongliere mit drei Jobs gleichzeitig. Ich arbeite an drei Tagen die Woche an zwei Schulen in Hamburg und Nordfriesland und an zwei Tagen habe ich Zeit für den Weltfreund Verlag und Liselotte. Da ich ein 1-Frau-Betrieb bin, fallen dort Aufgaben von der Werbung, über Vertrieb, Abrechnung aber auch natürlich der kreative Part an.   

 

Ich schreibe das nicht, um mich zu beschweren. Ganz im Gegenteil, ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten und Begegnungen, die sich im letzten Jahr ereignet haben, auch wenn ich mich jetzt gegen Jahresende doch über etwas Besinnung und Ruhe freue.

 

Mir ist es nur wichtig, mit euch ehrlich zu sein. Denn ich persönlich merke immer mehr, dass ich von dieser schwindelerregend coolen Instagram-Welt Risse im Selbstwertgefühl bekomme. Viele Jahre habe ich mich kaum in Social-Media-Netzwerken aufgehalten. 1. Weil ich es nicht mehr wollte und 2. Unser Internet war in Galmsbüll ziemlich begrenzt 😉. Nun muss ich immer up-to-date sein und sehe mir fast täglich an, wie Mütter ihre perfekt möblierten Wohnungen mit farblich abgestimmt gekleideten Kindern posten, die Öko-Influencer ganz natürlich schön sind und mir ein schlechtes Gewissen einflößen, warum ich immer noch Plastik im Haus habe oder mein Kind nicht im kompletten Bio-Schurwolle-Outfit rumläuft und die ganzen erfolgreichen Startups mit ihren wirklich unterstützenswerten Ideen, lassen mein Unterfangen mickrig erscheinen. Dabei wollen die meisten nur motivieren, sind überzeugt von ihren Ideen und möchten die Follower dafür begeistern.

 

Ich persönlich frage mich oft beim Posten, ob es überhaupt jemanden interessiert und manchmal frage ich mich natürlich auch, warum mache ich das alles? Gibt doch genug andere Kinderbücher.

 

Dann gestern auf dem Weihnachtsbasar habe ich so schöne Gespräche gehabt und möchte euch sagen, euer Feedback ist so wichtig!! Nicht nur für mich, auch für andere Menschen. Ein anerkennendes Wort, eine interessierte Frage oder auch ein Ideenvorschlag kann einer Selbstständigen nicht nur den Tag retten, sondern die Motivation sein weiterzumachen.   

Denn auf dem Weg liegen so einige Stolpersteine und natürlich auch ganz schön viel Frust. Den fotografiert man natürlich nicht, der sieht nicht schön aus und reden will man auch ungern darüber, denn keiner erfreut sich an Misserfolgen. Sollte man meinen 😉.

 

Ich für meinen Teil freue mich, dass es euch gibt und dass Liselotte euch dieses Jahr eine Freude bereiten konnte.

 

Auf mich warten nun noch zwei Weihnachtsmärkte und dann lasse ich das Jahr in Ruhe ausklingen, um Kraft für zwei neue Buchprojekte in 2020 zu tanken. Liselotte und der Besuch aus Kuba und wenn alles klappt, ein spannender Roman für Erwachsene 😊.

 

 

Euch Frohe Weihnachten! 

 

 

Wie es überhaupt zu dem Liselotte-Projekt kam, lest ihr hier.